Das Wesen der Wege

In jedem Verdammten wohnt die Macht, die sie das Tier nennen. Das Tier bedeutet unstillbaren Hunger, grenzenlose Wildheit – beides zerfrisst Nacht für Nacht die Seele eines jeden Kainiten. Sie müssen lernen, das Tier zu beherrschen, sonst werden sie wahnsinnig, werden zu gierigen Monstern, bis sie von ihresgleichen erschlagen werden wie tollwütige Hunde. Um sich gegen die nächtlichen Forderungen des Tiers stellen zu können, gibt es für die Vampire eine Reihe von Denkschulen, an die sie sich wenden und an deren Glaubensgrundsätze sie sich halten können, um sich so einen starken inneren Kern zu erarbeiten – vielleicht sogar einen Weg zu finden, um besser zu verstehen, wer sie sind und ein wenig Frieden zu erlangen. Diese nennt man Wege oder lateinisch viae, und in ihnen liegt Hoffnung und oft Macht. 

Die Wesen sind Wege sind Weltanschauungen; sie zeigen Möglichkeiten auf, wie man leben und die Welt verstehen kann. Je vollkommener sich ein Kainit seinem Weg verschrieben hat, desto leichter wird es ihm fallen, die Begierden des Tiers zu bezwingen oder in Schach zu halten. Aber so wird der Vampir auch immer fanatischer, was die Glaubensgrundsätze seines Weges betrifft – er eifert wie ein Heiliger oder Märtyrer. Organisierte Wege bringen oft verschiedene Sekten hervor, deren Anhänger sich um einen abweichenden Pfad oder um den politischen Ehrgeiz eines bestimmten Kaniniten scharen. 

Allen Wegen gemein ist das Ziel, ihre Gläubigen vor dem Wahnsinn zu bewahren. Jeder tut dies jedoch auf seine eigene Weise: einige, indem sie die Existenz des Tiers leugnen, andere indem sie es annehmen und im Einklang mit ihm leben. Einige, wie der Weg des Himmels und der der Menschlichkeit, streben nach Erlösung und hoffen auf Errettung. Andere, wie etwa der Weg des Tiers und der der Sünde, geben dem Tier nach, um so dessen Hunger zu stillen. Wieder andere konzentrieren sich auf die Überlegenheit der Kainskinder gegenüber der Herde der Sterblichen. 

Viele Wege, besonders der Weg des Himmels, haben eine religiöse Dimension, und erfahrene Anhänger übernehmen die Rolle von Priestern und sind zugleich auch Lehrer. Diese "Priester der Asche", wie man sie nennt, kümmern sich um die Bedürfnisse der Anhänger ihrer Wege und sind Beichtväter, Ratgeber, Lehrer und Führer. Auch wenn einige von ihnen als Sterbliche Nonnen und Priester gewesen sein mögen, haben doch die meisten erst nach dem Kuss zu ihrer Berufung gefunden und wurden oft von einer Sekte ihres Weges dazu bestimmt, diesen Pflichten nachzukommen. Der Weg des Himmels hat viele derartige Sekten, der Weg des Tieres dagegen hat nur wenige Lehrer und noch weniger Priester. Die anderen Wege liegen irgendwo dazwischen.

 

Die Wege bei Novum Castrum

Die Wahl eines Weges hat mitunter einen großen Einfluss auf das spätere Spiel eines Charakters. Der Weg hilft dabei, innere Überzeugungen und Werte zu definieren und dem Charakter somit rollenspielerischen Tiefgang zu verleihen. Viele Ansichten oder Handlungen des Charakters lassen sich auf die Prägung durch seinen Weg oder Pfad zurückführen und selbst Angehörige unterschiedlicher Clans verfügen über gewisse Gemeinsamkeiten, wenn sie demselben Weg folgen.

Während der Clan für die  Wahl eines Weges mitunter keine große Rolle spielt, kann sie die Zugehörigkeit zu einer der im Spiel vertretenen Fraktionen durchaus beeinflussen. In Köln ist der Weg des Himmels vorherrschend, während der Weg der Könige das Bergischen Land dominiert. In Siegburg hingegen sind der Weg der Menschlichkeit und der Weg der Sünde auffallend stark.